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Moorsoldaten

Das Lied der Moorsoldaten
(Lagerlied KZ Börgermoor)Musik: Rudi Goguel (Hanns Eisler)
Text: Johann Esser, Wolfgang Langhoff, Wohin auch das Auge blicket,


Moor und Heide nur ringsum.
Vogelsang uns nicht erquicket,
Eichen stehen kahl und krumm.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor!

Heimwärts, heimwärts jeder sehnet,
zu den Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet,
weil wir hier gefangen sind.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor!

Hier in dieser öden Heide ist das Lager aufgebaut,
wo wir fern von jeder Freude
hinter Stacheldraht verstaut.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor!

Auf und nieder gehen die Posten,
keiner, keiner kann hindurch.
Flucht wird nur das Leben kosten,
vierfach ist umzäunt die Burg.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor!

Morgens ziehen die Kolonnen
in das Moor zur Arbeit hin.
Graben bei dem Brand der Sonne
doch zur Heimat steht der Sinn.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor!

Doch für uns gibt es kein Klagen,
ewig kann’s nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen:
Heimat, du bist wieder mein.
Dann zieh‘n die Moorsoldaten
nicht mehr mit dem Spaten ins Moor!  


„Moorsoldaten“ – so nannten sich die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Börgermoor, das 1933 im Emsland errichtet worden war. Texter des Liedes waren der Moerser Bergmann Johann Esser und der Schauspieler und Regisseur Wolfgang Langhoff, die Musik stammt von Rudi Goguel. Das Lied wurde am 27. August 1933 bei einer Veranstaltung namens „Zirkus Konzentrazani“ von 16 Häftlingen, überwiegend ehemaligen Mitgliedern des Solinger Arbeitergesangvereins, aufgeführt.

Beschrieben wird die Entstehung des Liedes in Wolfgang Langhoffs 1935 in der Schweiz erschienenem Erinnerungsbericht „Die Moorsoldaten“: Nach einer nächtlichen Prügelorgie der Lager- SS, „Nacht der langen Latten“ genannt, überlegen einige der KZ-Häftlinge, die starre Front der Wachleute aufzubrechen. Sie beschließen, durch die Inszenierung einer Lagerveranstaltung, die sie in einer Art grimmigen Galgenhumors „Zirkus Konzentrazani“ nennen und an der neben den Häftlingen auch alle Wachmänner des Lagers teilhaben sollen, kulturelle Überlegenheit zu demonstrieren und so das Selbstbewusstsein der geschundenen Gefangenen wieder aufzurichten. Das „Börgermoorlied“ bildete den Abschluss des „Zirkus Konzentrazani“.

Der Komponist, Rudi Goguel; erinnerte sich später:
„Die sechzehn Sänger, vorwiegend Mitglieder des Solinger Arbeitergesangsvereins, marschierten in ihren grünen Polizeiuniformen (unsere damalige Häftlingskleidung) mit geschulterten Spaten in die Arena, ich selbst an der Spitze in blauem Trainingsanzug mit einem abgebrochenen Spatenstiel als Taktstock. Wir sangen,und bereits bei der zweiten Strophe begannen die fast 1.000 Gefangenen den Refrain mitzusummen. […]
Von Strophe zu Strophe steigerte sich der Refrain, und bei der letzten Strophe sangen auch die SS-Leute, die mit ihren Kommandanten erschienen waren, einträchtig mit uns mit, offenbar, weil sie sich selbst als ‚Moorsoldaten‘ angesprochen fühlten. […]
Bei den Worten ‚… Dann zieh‘n die Moorsoldaten nicht mehr mit den Spaten ins Moor‘ stießen die sechzehn Sänger die Spaten in den Sand und marschierten aus der Arena, die Spaten zurücklassend, die nun, in der Moorerde steckend, als Grabkreuze wirkten. […] Die drei gleichbleibenden Töne, mit denen das Lied beginnt, sollten die Öde des Moores und die schwere Situation charakterisieren, unter der die Moorsoldaten leben mussten.“
Die anfängliche Zustimmung durch die SS ist nur von kurzer Dauer. Zwei Tage nach der ersten Aufführung wurde das Lied von der Lagerleitung verboten. Auf verschiedenen Wegen wurde das Moorsoldatenlied aus dem Lager herausgebracht. Der Mülheimer Otto Gaudig, der als Schuster im KZ Börgermoor arbeitete, hatte das Liedblatt zwischen Sohle und Brandsohle seiner Schuhe eingenäht, um es sicher aus dem Lager bringen zu können. In den Jahren bis 1945 gelangte es in etliche andere Lager des NS-Regimes.1935 lernte es der nach England emigrierte Komponist Hanns Eisler in London kennen. Er überarbeitete die Melodie für den Sänger Ernst Busch. Dieser schloss sich während des Spanischen Bürgerkrieges (1936–1939) den Brigadas Internacionales an, die die Spanische Republik gegen den von Franco angeführten und von Hitler und Mussolini unterstützten Staatsstreich verteidigten.

Dadurch wurde das Lied verstärkt international bekannt. Gesungen wurde es u.a. in der englischen Version „The Peat Bog Soldiers“ in den USA oder als „Chant des Marais“ in der französischen Résistance.Die „eingängigere“ und heute mehrheitlich gesungene Melodiefassung mit ihren typischen Terzintervallen zu Beginn und Ende der ersten Liedzeile sowie einem im Vergleich zum Original verstärkt auftretenden punktierten Marschrhythmus stammt von Hanns Eisler. Das Original von Rudi Goguel beginnt dagegen mit drei gleichen Anfangstönen auf dem Moll-Akkord und beendet die Liedzeile mit einer linear fallenden Tonsequenz, der Rhythmus ist gleichförmiger. Während das Original die trostlose Lage der Häftlinge im KZ Börgermoor einfängt (siehe auch den Bericht von Rudi Goguel), hört man in der Eislerschen Fassung mehr Aufbegehren und Widerstand. Dies macht diese Version geeignet als Protest- und Kampflied, als das sie u.a. in der Résistance und bei den Internationale Brigaden gesungen wurde.Heute existieren Versionen des Liedes in mehreren Sprachen, zu den bekanntesten Interpreten gehören Ernst Busch, Peter Rohland, Hein und Oss, Paul Robeson, Pete Seeger, Perry Friedman, The Dubliners und Hannes Wader. Neuere Bearbeitungen stammen von der Kölner Saxophon Mafia, Welle: Erdball, Liederjan, Die Toten Hosen, Die Schnitter, Michael von der Heide und Helium Vola.

ISBN: 3-88021-226-0
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